Isi berichtet von seinem Abflug und seiner Quarantäne-Zeit in Shanghai.
Am Dienstagabend, 13.10.2020 bin ich von München nach
Frankfurt geflogen.
Der Flughafen war gruselig leer, die Geschäfte hatten fast
alle zu, es gab kaum Menschen. Der Abschied viel uns allen doch ganz schön schwer, wir
sehen uns nun erst am 21.11. in Peking wieder. (mittlerweile erst am 2.12. ;( )
Der Flug dauerte nur eine Stunde, doch jeder musste seine
Maske auflassen und mit viel Abstand voneinander aussteigen.
In Frankfurt um 21:00h angekommen, ging ich erst auf die
Suche nach dem Corona-Testcenter, um mich für einen Test am Morgen anzumelden.
Glücklicherweise konnte ich in München meine beiden großen
und schweren Koffer gleich bis Shanghai durchchecken, hatte nur mein Handgepäck
dabei.
Das Corona Testcenter war auch gleich gefunden, direkt neben
dem (Hilton-) Hotel am Flughafen. Es war zwar schon geschlossen, doch zumindest
konnte ich mich online für einen Test am Morgen anmelden, hatte einen
Express-Test gekauft, der das Ergebnis in 6h liefert. Kostenpunkt: 138,- EUR.
Mein Flug war für 17:10h mit der Lufthansa nach Shanghai
gebucht, das sollte also reichen, um ein Testergebnis vor dem Abflug in Händen
zu halten.
Um 07:30h stand ich am Testcenter, alles wurde dort sehr
professionell durchgeführt: zwei Test-Stäbchen mit Barcodes versehen, werden
mit einem anderen Barcode, der mit meiner Namen gekoppelt ist, verschlüsselt
miteinander verknüpft. Mit den Test-Stäbchen nimmt ein komplett eingepackter
Arzt im Papieroverall, mit M-N-Maske, Augenschutzbrille und Handschuhen zwei
Rachenabstriche und verstaut diese in den codierten Stäbchen-Dosen.
Diese werden dann zur Analyse ins Labor gesendet.
Nun war es 08:00h, der Test war erfolgt, der Flug ging im
17:10h, also genug Zeit, um in der LH Lounge ein Frühstück zu genießen.
Nach der Pass- und Personenkontrolle, die wegen der wenigen
Passagiere schnell absolviert war, ging es zum Terminal meines Abflug-Gates.
Doch Fehlanzeige: Aufgrund des Corona-bedingten, extrem
geringen Flugaufkommens war die Lounge geschlossen, so, wie viele andere
Geschäfte im Abflugbereich.
Es gibt nur eine LH-Lounge am Flughafen, die geöffnet hat,
leider in einem anderen Terminal. Also wieder zurück, und ins andere Terminal
spaziert.
Dort eingetroffen, war ich froh, an einem Platz die Maske
abnehmen zu dürfen, denn mit Kaffee, Brot, Rührei und Butterbrezel darf man
auch ohne Maske rum sitzen.
Um 14:00h lag noch kein Testergebnis in meinem
email-Postfach vor. Ein kurzer Anruf an der Service-Hotline des
Corona-Testcenters ergab, dass der Test aufgrund des hohen Testvolumens noch
etwas Zeit benötige.
Um 15:00h noch kein Testergebnis vorhanden, ich bat die
Person am Telefon des Testcenters um Nachforschung, er versprach dann, mich
umgehend zurückzurufen.
Der Rückruf kam dann auch ca. 30min später: Der Test dauere
leider noch deutlich länger als geplant, und ich möchte doch bitte meinen Flug
umbuchen!
Ich dachte, ich hätte mich verhört, das habe ich dann auch
deutlich gesagt. Ich bräuchte sofort das Testergebnis für den Flug, oder eine
entsprechende schriftliche Erklärung der Testfirma, dass das Ergebnis nicht in
der versprochenen (und bestellten und bezahlten) Zeitspanne verfügbar sein
wird.
Ein kurzer Verweis auf die damit verbundenen Kosten (der
Flug kostet ca. 5000,- und fliegt nur einmal pro Woche) hat dann doch geholfen,
die Sache bei Centogene (der Corona-Testfirma) zu eskalieren.
Auf dem Weg zum Abflug-Gate musste ich natürlich nochmals alle
Kontrollen durchwandern, doch auch diesmal verlief dies sehr zügig.
Am Gate war der Einsteige-Prozess mittlerweile voll im
Gange. Neben der Boardkarte wurde auch das Vorliegen des (negativen)
Corona-Tests geprüft.
Die Boardkarte hatte ich, aber das Testergebnis noch nicht!
Ein weiteres Telefonat mit der Hotline half auch nichts.
Mittlerweile war es 1700h, ich wurde etwas nervös. Die
LH-Damen ebenfalls. Ihren Schalter hatten sie schon zugemacht, eine sagt zu
mir: „Wir müssen jetzt schließen, Herr Ising!“ als mein Handy summt und in der
Inbox eine email erscheint, mit dem Testergebnis. Die email geöffnet und
vorgezeigt, und ich durfte zur Maschine rennen!
Dort angekommen, wird hinter mir die Tür geschlossen, die
Stewardess ruft den Kapitän an, und es kommt die Durchsage „boarding completed“
– ich war noch nicht an meinem Platz angekommen!
Nach der Aufregung erstmal ein kleines Bierchen, dachte ich.
Doch vor dem Abflug gab es nichts mehr, es war zu knapp. Hinsetzen und
Anschnallen.
Nachdem wir in der Luft waren, kam dann das Bierchen, ein
kleines Erdinger Weißbier!
Dann kam noch eine Stewardess vorbei, mit einer schönen
Überraschung: Unser Nachbar, Stefan Ganzer, selbst Pilot bei der LH, hatte bei
seinem Kollegen, dem Piloten meines Fluges, angerufen, und mich als
VIP-Nachbarn angekündigt. Die Stewardess übergab mir, mit besten Grüßen vom
Piloten, einen Schlafanzug aus der First Class, sowie eine Jogginghose und dem
First-Class-Necessaire aus Leder in Herzform, mit Handcreme, Zahnbürste, warmen
Strümpfen, Schlafmaske und weiteren kleinen Sachen!
Nach einer Vorspeise, einer Hauptspeise, Nachtisch, Wein und
Wasser, und einem Film, legte ich mich, umgezogen im bequemen Schlafanzug zum
Schlafen hin. Ach ja, zwischendurch wurde bei allen Passagieren die Temperatur
gemessen, welche man auf der Boardkarte notieren musste, denn dies wird von den
chinesischen Behörden gefordert.
Shanghai:
In Shanghai angekommen, konnten wir nach einer gefühlten
Ewigkeit endlich aussteigen, in kleinen Gruppen und mit Mundschutz natürlich.
Kaum im Gebäude angekommen, wurden alle Passagiere aufgefordert, ein
(online-)Formular auszufüllen, das erste einer ganzen Reihe von Formularen.
Online – also über das Mobil-Telefon – ist natürlich nur möglich, wenn man
Internet hat! Das hatte ich nicht, meine deutsche (Aldi-E-Plus-Karte) konnte
keine Verbindung zum Internet aufbauen. Doch alle Personen im Ankunftsbereich
waren sehr freundlich, so wurde mir gleich über das private Handy eines
Flughafen-Angestellten ein Hotspot aufgebaut, über welches ich mich mit dem
Internet verbinden und das Formular ausfüllen konnte. Den screenshot dieses
Formulars, welches vor allem einen QR-Code zeigte, musste ich anschließend
einige Male vorzeigen.
Im Flughafen mussten alle Einreisenden dann einen langen
Weg, durch Stellwände in den Hallen geleitet, gehen. An vielen Checkpunkten
vorbei, bei welchen diverse, mir unklare Aspekte geprüft wurden, zu einer Halle
für einen Corona-Test (in China mittels eines Stäbchen-Abstrichs in der Nase),
dann zur Gepäckausgabe, zur Zoll-Kontrolle bis zur Abfrage, in welche Stadt man
nach der Quarantäne weiter reisen wolle. Danach wurde man dann zu verschiedenen
Wartebereichen geführt, in denen man anschließend einen Bus zum
Quarantäne-Hotel besteigen durfte.
Die Busfahrt ging vom Flughafen in die Innenstadt, zu einer
unbekannten Adresse. Dort angekommen, stand ich dann vor dem Quarantäne-Hotel,
meine aktuelle Bleibe für die nächsten 14 Tage!
Mit ca. 25 Menschen im Bus dauerte der Check-in im Hotel ca.
2h, in 3er- und 4er-Gruppen wurde man reingeholt. Derweil draußen wartend,
schaute ich mich um. Der Gehweg am Hotel war auf einer Länge von ca. 30m
abgesperrt, an beiden Seiten standen Polizisten und hinderten Fußgänger daran,
auf dem Gehweg am Hotel und an uns möglicher Weise infizierten Personen
vorbeizugehen. Im Hotel waren sowohl das Hotelpersonal als auch eine Gruppe von
Ärzten in der schon aus dem Frankfurter Testcenter bekannten Weise vermummt mit
Overall, Maske und Schutzbrille damit beschäftigt, uns Ankömmlinge aufzunehmen,
einzuchecken, mit weiteren Formularen zu beglücken und uns Anweisungen über die
Durchführung der Quarantäne zu geben. Dazu gehören: der Verbleib im Zimmer,
Temperatur-Messungen um 09:00h und 15:00h, und die Nutzung von
Desinfektions-Tabletten. Diese musste man vor jedem Stuhlgang in die Toilette
werfen, und die Spülung erst 10min nach der Sitzung betätigen, damit jegliche
vorhandenen Viren vor dem Weg in die Kanalisation Shanghais abgetötet worden
sind.
Es gab noch einen weiteren Deutschen in meinem Bus,
ansonsten waren es alles Chinesen aus Deutschland auf der Heimreise, welche
ebenfalls eine Quarantäne durchführen müssen. Die Formulare wurden uns in der
chinesischen Version gegeben, die englisch-sprachigen waren wohl nicht mehr
vorrätig. Es gab jedoch eine ausgefüllte englische Variante, die uns beiden
Deutschen dann als Vorlage diente. Das heißt dann vergleichen, was wurde zum
Beispiel in der Vorlage auf Seite 2 in der 4 Zeile eingetragen – daraus dann
den Rückschluss ziehen, was wir für uns eintragen müssten.
Irgendwann durften wir dann ein jeder auf sein Zimmer.
Das Zimmer: Ich habe schon einfachere Hotelzimmer gesehen,
doch dieses versprach schon beim Betreten, nicht lustig zu werden. Im Prinzip
war es sauber, vom Pilzbefall und dunklen Kalkrändern im Bad/Duschbereich
abgesehen. Das Zimmer hat einen „Vorbereich“ mit Waschbecken, zur Seite öffnet
sich ein kleines Bad mit WC und Dusche, und dann der eigentlich Zimmer-Bereich
in der Größe von 4x4qm.
Es gibt zwei Betten, jedoch ist nur eines bezogen. Es gibt
einen Stuhl, jedoch keinen Tisch. Anstelle des Tisches gibt es ein sideboard an
einer Wand, an welches man sich setzen kann (es ist im unteren Bereich offen).
Es gibt einen Fernseher, mit 12 chinesischen Programmen. Es gibt einen
Wasserkocher, jedoch keine Becher oder Gläser, und auch keine Mini-Bar. Eine
Garderobe mit 6 Bügeln. Ein Handtuch.
Beim Check-in musste ich das Zimmer im Voraus bezahlen (die
Kosten reiche ich anschließend in der Reisekosten-Abrechnung bei BMW ein), die
BMW Corporate Card (American Express) wurde jedoch nicht akzeptiert. So musste
meine private Visa-Karte herhalten.
Die Zimmerkosten waren für die Übernachtung mit Frühstück,
das Hotel bietet kein Mittag- und Abendessen an, das müsste ich anderweitig
besorgen! Die Kosten für die Ärzte müsse ich „sofort“ in bar bezahlen. Ich
hatte natürlich kein Bargeld dabei, woher auch, konnte ich ja bis jetzt keine
Bank aufsuchen.
Über die einzige englisch-sprechende Angestellte erfuhr ich
das geplante Vorgehen für Mittag- und Abendessen: in einem nahe gelegenen Laden
würden sie uns Essen besorgen und aufs Zimmer bringen lassen. Mangels Bargeld
wurde mir folgender Vorschlag unterbreitet: Ich möge der Rezeptionistin meine
Visa-Karte mit Pin geben, sie würde dann mit einem Security-Mann zur unweit
gelegenen Bank of China gehen und Geld aus dem Automaten holen. Dass könne ich
dann für den Arzt und für das Bezahlen der Essen der kommenden Tage benutzen.
Ich selbst dürfe ja das Hotel nicht verlassen.
Oha, das fängt ja gut an. Letztendlich blieb mir kein
anderer Weg, ich schickte die Dame los, mir 2000,- RMB zu besorgen, das sind
ca. 255 EUR.
Doch wie sollte das mit dem Essen funktionieren?
Hier kommt nun die chinesische App WeChat ins Spiel. WeChat
ist, ähnlich WhatsApp, in erster Linie ein Kommunikationstool für den Austausch
untereinander. Man schreibt einem ausgewählten Kontakt darüber eine Nachricht.
Doch mittlerweile bietet WeChat viel mehr Funktionen, unter anderem eine
Bezahlfunktion: Käufer und Verkäufer identifizieren sich mit einem QR-code, der
Betrag wird eingegeben und die Bezahlung bestätigt, um den Bezahlprozess
abzuschließen.
Der angesprochenen Laden hat nun eine WeChat-Gruppe aus uns
Quarantäne-Personen gebildet. Er postet Fotos der Auslagen und aus denen kann
man wählen. Leider ist der Laden ein Geschäft der Art Mini-Supermarkt (ähnlich
7-11 in USA), der nur eingeschweißtes Essen hat, Nahrungsmittel in Plastik,
Tütensuppen, Chips, Schokolade, Getränke, aber auch Drogerie-Artikel. Das Essen
wird in der Microwelle erhitzt und dann zum Zimmer gebracht.
Mein Problem war nur: er akzeptiert nur WeChat-Pay. Kein
Bargeld.
Nach einer etwas schwierigen Diskussion konnte ich mithilfe
der englisch-sprechenden Rezeptionistin den Besitzer des Laden soweit bringen,
dass er von mir 500,-RMB Vorschuss bekommt, ich nun Essen bestellen kann, und
er die Kosten von meinem „Guthaben“ abzieht.
Das erste Abendessen war ok, das gestrige Mittagessen und
Abendessen ebenfalls. Und auf meine Nachfrage hin konnte ich auch Äpfel und
Bananen kaufen, auf einem kleinen Plastikteller, eingeschweißt natürlich.
Das erste Frühstück war sehr chinesisch: in einem
Plastikbecher mit Deckel gab es heiße Reissuppe (also viel Wasser mit zwei
Esslöffeln Reis), dazu, in einer Plastiktüte, zwei Teig-Klopse. Einer „salzig“,
mit Kräutern, einer „süß“ mit einer Obst-Mus-Füllung. Heute Morgen gab es
zusätzlich noch ein gekochtes Ei.
Lustig ist der Bring-Prozess: Vor jeder Zimmertür steht ein
Stuhl, mit Plastik bezogen. Auf dem wird das Essen abgestellt. Dann wird an die
Zimmertür geklopft und weggerannt. Zumindest habe ich bislang noch keinen
Lieferanten gesehen…
Soweit die Lage nach Anreise und 2,5 Tagen Quarantäne.
Anbei auch ein paar Fotos…
Bis zum nächsten Status-Bericht, über Fragen, Tipps und
Feedback von Euch würde ich mich riesig freuen!
Euer Sebastian
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| Blick aus dem Fenster |
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| Mittag- und/ oder Abendessen |
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Auswahl per WeChat im Shop
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| Hotel in Shanghai |
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Einchecken ins Hotel
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Hotel in Shanghai
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Tägliches Frühstück in der Quarantäne
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Der Flur - Die Schleuse für den täglichen anonymen Austausch
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